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Haus Moriah Nachrichten Archiv 2009

"Kinder, was bin ich glücklich, . . . "
Vor 65 Jahren: Priesterweihe im KZ
Karl Leisner

65 Jahre sind es her, seit im KZ Dachau die Priesterweihe und Primiz des sel. Karl Leisner stattgefunden hat. Die Priesterweihe fand am 17. Dezember 1944 statt; seine erste Hl. Messe feierte Karl Leisner am Fest des hl. Stephanus, dem 26. Dezember 1944.  Aus diesem Anlass hat Pater Josef Kentenich ihm einen Glückwunsch verfasst. Im Priesterjahr kann uns dieser Text ein Anstoß zum Nachdenken seinnicht weniger die von tiefer Freude durchzogenen Berichte des Neugeweihten selber, und auch der Bericht von Heinz Dresbach über seinen heimlichen Besuch im Krankenrevier.

Zum Priester hat der Herr Dich auserseh’n,
durch Dich will segnend durch die Welt er geh’n,
will durch Dich opfern, beten, lieben, leiden
und seine Schäflein hier auf Erden weiden.
Zur Seit’ hat er die Mutter Dir gegeben,
die ihn begleitet hat durch’s ganze Leben.
Ihr bleibe treu in allen Lebenslagen.
Sie hilft Dir Last und Bürden freudig tragen,
lenkt Deine und der Seelsorgskinder Pfade,
hin zu der sel’gen Ewigkeit Gestade.

Am Samstag, 30 Dezember 1944, schrieb der Neupriester Karl Leisner an seinen Bischof und an seine Angehörigen:

Exzellenz, hochwürdigster Herr! Die großen, heiligen Tage sind vorüber. Noch ist das Herz voll des neuen Glücks. Am Gaudetesonntag, 17.12., empfing ich hier in unserer Kapelle die hl. Priesterweihe. Nach über fünf Wartejahren eine selige Gnadenstunde der Erfüllung. Aus ganzem Herzen danke ich nächst Gott Ihnen, daß Sie mir durch Ihr Jawort dies ermöglichten. Bischof Gabriel von Clermont weihte mich. Der Hochwürdige Herr Kardinal hatte alles Nötige gesandt. Archidiakon war Reinhold Friedrichs. Von 8¼ - 10h früh dauerte die hl. Handlung. Alle Confratres waren mit mir tief ergriffen und voll hl. Freude. Am Stefanstag 8½ - 10h früh war die hl. Primizfeier, voll seliger Weihnachtsfreude und Stimmung. Ihnen, dem Hochwürdigen Herrn Regens und allen Dank und gutes Neujahr! In treuer, gehorsamer Sohnesliebe Ihr Karl Leisner.

Meine Lieben alle! Am Heiligabend kam Willis Brief vom 15.12. mit den in aller Not erfreulichen Heimatnachrichten. Ich danke Euch allen für Eure lieben Weihnachts- und Weiheglückwünsche. Sie sind erfüllt. Kinder, was bin ich glücklich, und Ihr mit mir. Ich kann es noch immer nicht fassen, daß Gott unser jahrelanges Beten und Warten so einzigartig und gnädig erhört hat. Aus dem Brief an den Bischof seht Ihr die Daten. Es waren die herrlichsten Stunden und Wochen meiner ganzen Haft, voll unbegreiflich hohen Glücks. Gleich nach der Handauflegung gab ich still Euch, viellieben Eltern, als ersten den Priestersegen. Am Abend des 17. jedem von Euch feierlich einzeln den Primizsegen; Fränzl  und ihr Kleines war besonders mit dabei. Am 18. abends von Opa angefangen allen Verwandten und den großen Wohltätern der Studienjahre. Am Stefanstag brachte ich allein das erste hl. Opfer dar. Nach der Wandlung war ich tief gerührt. Ihr wart als erste beim Gedenken der Lebenden dabei. Beim Gedenken der Toten die lieben Tanten, alle Verwandten, die Großeltern, bis zum Hochwürdigen Herrn Propst, Peiffers  allen, Herrn Bettray, Hendriksen , allen gefallenen Klevern. Am Altar war ich sehr ruhig und andächtig konzentriert. Keine Spur aufgeregt und voll unbeschreiblicher Freude. Jetzt sind wir also zu drei Schwägern Priester des Herrn. Hans wird sich mit uns allen selig freuen. . . . . .  Voll dankbarer Freude über das erreichte große Ziel: Glückauf 1945! Euer Karl

 

Am gleichen Tag schrieb Karl Leisner an seinen Gruppenführer Heinrich Tenhumberg, der als Soldat bei der Marine war:

Lieber Heinrich!
Am Stefanstag von 8½ - 10h früh habe ich Primiz gefeiert. Zum ersten Mal allein das hl. Opfer am Altar, in unserer Kapelle hier. Ihr wart alle im Geiste mit dabei. Nach über fünf Jahren Betens und Wartens Stunden und Tage seligster Erfüllung. Daß Gott uns auf die Fürsprache Unserer Lieben Frau so überaus gnädig und einzigartig erhören würde, - ich kann es noch immer nicht fassen. Seit 14 Tagen kann ich nur noch ergriffen beten: Gott, was bist Du groß und gut. Für uns alle waren es Stunden unbegreiflichen Glückes und hoher, hellster Freude, die uns für viele dunkle Stunden reich entschädigten. - Nach der hl. Wandlung war ich für einige Sekunden tief ergriffen und gerührt, sonst sehr ruhig und konzentriert. Stunden seligster Weihnachtsfreuden und feinster, innigster Stimmung. Dir und allen Kameraden den Segen des Allerhöchsten für das kommende Jahr. Voll Jubel und Dank grüßt Dich und alle: Glückauf 1945!
Dein Karl

Heinz Dreschbach schrieb am 18.2.1977:
Bei der Priesterweihe und Primiz von Karl konnte ich dabeisein. Zwischen diesen beiden Ereignissen gelang es mir, einmal zu ihm ins Revier vorzudringen. Ich saß auf seinem Bettrand. Er sprach mit Worten und mit seinem ganzen Verhalten die große innere Seligkeit aus, in der er in jenen Tagen sozusagen schwamm. Besonders sein Primizspruch aus dem Psalm 117 hatte es ihm angetan. Er schenkte mir ein handgeschriebenes Primizbild. Am Schluß meines Besuches kniete ich am Bett nieder, und Karl gab mir seinen Primizsegen.

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Weitere Informationen über Karl Leisner

Datum: 17.12.2009
Autor: O B
 
 

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