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Sonntag 16.06.2024, 10:00 Uhr
(c) 2024 Haus Moriah

 „. . . . als hätte mir die Mutter
einen Floh in den Pelz gesetzt“

Wie wir durch Heinz Dresbach nach Berg Moriah geführt wurden.

Auszüge aus: Hermann Gebert, Heinz Dresbach - Glaubensweg eines Schönstattpriesters, 1996, S. 198ff.

Heinz Dresbach war Zeuge gewesen, wie der Gründer bei der Einweihung des Heiligtums bei Haus Mariengart am Pfingstsonntag 1967 die „armen Schönstattpriester“ apostrophierte, die fast als einzige noch kein eigenes Familienheiligtum hatten . Er wußte, daß Pater Kentenich schon früh zu einem Heiligtum für den Priesterverband geraten hatte. Am 21.11.1965 hat Pater Kentenich in Rom in einem Vortrag daran erinnert.

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Der Ort

Am 6. Oktober 1967, dem Herz-Jesu-Freitag im Rosenkranzmonat ging Heinz Dresbach mit Prälat Schmitz, Vikar Engel und dem Bauunternehmer Schaaf auf den Hünerberg , um den Platz für den Bildstock festzulegen. Nach einem Besuch bei seiner Schwester im Haus Mariengart kehrte er noch einmal alleine zu diesem Platz zurück und hielt in Ruhe Umschau über das Gelände. In seinem Herzen stieg dabei ein immer deutlicheres Mißfallen auf bei dem Gedanken, daß hier einmal Priesterheiligtum und Priesterzentrum stehen solle. Er kam sich wie in einem Kessel vor zwischen den nahen Bergwänden. Der Schornstein der damals noch bestehenden Röhrenfabrik spie seinen dicken schwarzen Qualm ins Gelände und der Westwind trug ihn bis zu den Bergwänden und ins Hillscheider Tal. Dazu kam der Lärm im Tal durch die vielen Autos, und besonders bei Westwind hörte man das Stampfen der Schiffsmotoren und das Rattern der Eisenbahn. Später wurde ihm noch bewußt, daß besonders im Winter kaum ein Sonnenstrahl den am Nordhang gelegenen Hügel erreicht. Eine starke Unruhe stieg in ihm auf. In bedrückter Stimmung und mit einem kräftigen Unbehagen kehrte er nach Metternich zurück. Er fing an, die Mta „um Klarheit wegen des Geländes“ zu bitten. Und er begann sich zu fragen, was die Mta ihm „durch diese deutliche innere Unruhe“ sagen wollte. Mit dieser Unzufriedenheit und Unruhe im Herzen war er am 07.10., dem Rosenkranzfest aufgestanden. Er war nicht fähig, etwas zu arbeiten. Nach dem Frühstück rief er Pater Carlos Sehr an, den Ökonom der Schönstattpatres. Der war gern bereit, Heinz Dresbach die Grund-stücke zu zeigen, die die Schönstattpatres auf der Höhe nach Simmern hin für ihr künftiges Heiligtum und Zentrum erworben hatten. Nach der Besichtigung kehrte er nach Metternich zurück. Die innere Unruhe war nach dem Mittagessen eher größer als kleiner geworden. Wiederum hielt es ihn nicht am Schreibtisch. Er wollte sich auf die Suche machen nach einem geeigneteren Grundstück. Und er hatte Gründe, darin einen Wunsch der Mta zu sehen. Vor allem die wachsende Unruhe deutete er in dieser Hinsicht.

Zuerst fuhr er auf den Berg Schönstatt. Dann durchs Hillscheider Tal bis zum Friedhof Simmern und von dort über den Wirtschaftsweg ungefähr 1 km nach Westen zur Höhe, auf der jetzt das Priesterhaus Berg Moriah steht. Dieser Platz beeindruckte ihn besonders, und wenn er auch noch weiter nach Westen fuhr, so kehrte er doch zu diesem Ort wieder zurück mit dem starken Wunsch, „daß hier einmal unser Heiligtum und unser Zentrum“ errichtet werde. Auch am darauffolgenden Tag konnte er keine Ruhe finden. Er konnte Prälat Schmitz und Vikar Engel dafür gewinnen, die von ihm in Aussicht genommenen Grundstücke zu besichtigen. Sie waren dem Gedanken, in größerer Höhe einmal Gelände zu erwerben, wenigstens nicht abgeneigt.

Am Abend des 08.10. begannen Exerzitien der Coenaculums-Generation mit Pater Kentenich. Heinz Dresbach nützte die Gelegenheit, seine Überlegungen an die Mitbrüder weiterzugeben. Am Freitag, den 13.10. legte die Coenaculums-Provinz ihren Gefolgschaftsakt ab. Pater Kentenich segnete in der Hauskapelle der Marienau den Mta-Bildstock. Dann wurde er am Hünerberg am vorgesehenen Platz aufgestellt. Er sollte stellvertretend stehen für das künftige Familienheiligtum, „ganz gleich, wohin es einmal gebaut wird“. Heinz Dresbach, der Provinzrektor der Coenaculumsprovinz, warb bei den Mitbrüdern dafür, daß es einmal auf der Höhe bei Simmern gebaut werden soll. 15 Mitglieder der Provinz begleiteten ihn am Nachmittag des 13.10. dorthin. Die überwiegende Mehrheit stimmte nach langer Diskussion des Für und Wider für ein Gelände auf der Höhe. Während der Exerzitienwoche konnte Heinz Dresbach auch Pater Kentenich unterrichten. Heinz berichtet: „Er war ganz aufgeschlossen für unsere neuen Überlegungen.“ Am 14.10. begann die Oktoberwoche der Schönstattfamilie. Heinz Dresbach nützte die gute Gelegenheit, die zahlreichen Schönstattpriester, die in der Marienau waren, über seine Pläne zu informieren und sie zu einer „Geländebesichtigungsfahrt“ einzuladen. Er kann festhalten: „Alle sind von dem Gedanken an größere Höhe angetan.“ Daß diese ‚größere Höhe' das Grundstück bei Simmern sein sollte, war für Heinz Dresbach entschieden, als Pfarrer Max Ruh, maßgebliches Mitglied des Schönstattpriesterwerk e.V. am Nachmittag des 18.10.1967 zum ersten Mal dieses Grundstück sah und nach einigem Überlegen mit „kräftiger und entschiedener Stimme“ sagte: „Hier wird gebaut und nirgendwo anders!“ Am selben 18.10.67 schrieb Max Ruh noch ein Gutachten an den Schönstattpriesterwerk e.V. mit einer Empfehlung, unverzüglich Schritte zum Erwerb dieses Geländes zu unternehmen.

Ebenfalls am 18.10.1967 sprach Pater Kentenich zum ersten Mal öffentlich über dieses Vorhaben. In einem Vortrag, den er in der Marienau den Schönstatt-Patres hielt, sagte er:

„Vielleicht wissen Sie schon, daß unsere Schönstattpriester die Absicht haben, dort oben auf Berg Sion über uns zu bauen. Sie wollen also noch höher hinaus als wir! Und meinen Sie nicht: Wenn das glückte, hätten wir eine wunderschöne neue Stadt. Da wäre die ganze Priestersäule dort oben auf dem Berge: Eine Priesterstadt - Berg Sion! Eine Priesterstadt, und zwar eine Stadt, die miteinander in den einzelnen Gliederungen so eng verbrüdert ist, als eben möglich. Und wenn das alles in unserer Generation Wirklichkeit würde, vielleicht könnten wir dann früher oder später mit Ruhe ins Grab steigen. Dann würden wir eine Lebensform, ein Gelände, eine heilige Stadt zurücklassen. Und wenn es uns dann auch glücken würde, die Bürger dieser Stadt so zu formen und zu schulen, daß sie bereit wären, für das Werk der lieben Gottesmutter ihr ganzes Leben herzugeben, ich meine, dann hätten wir das Unsere getan.“

In einem Brief schrieb damals Heinz Dresbach: „Mir ist seit Freitag (= 06.10.67), als hätte mir die Mutter einen Floh in den Pelz gesetzt, wie man zu sagen pflegt.“ Immer deutlicher kam ihm zum Bewußtsein, daß er hier einen Auftrag der Mta zu erfüllen habe. Sorgsam achtete er auf die kleinsten Zeichen und war bereit, sich im aktiven lebendigen Vorsehungsglauben von oben führen zu lassen.

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Der Name

Noch ehe er richtig wußte, wer der Eigentümer des Grundstückes war und ob es überhaupt zu erwerben sei, fing er an, sich auf einen Namen für den Ort zu besinnen. Wie es damit anfing, soll er selber berichten:

„Es war ein sonniger Herbstsamstag, dieser 21. Oktober, an dem sich nach meiner Erinnerung folgendes ereignete: Ich kam von der Hecke auf ‚unserem Berg' und ging auf der Asphaltstraße in Richtung Vallendar. Ich war erst wenige Schritte gegangen, als in mir der Gedanke auftauchte: Wie sollen wir einmal unseren Berg nennen?

Die Patres haben ihren Berg ‚Sion' genannt. Ein herrlicher Name, der in der Schrift sehr oft vorkommt und mit Inhalt und Symbolik geradezu geladen ist. Mir hätte es gut gefallen, wenn wir unserem Berg diesen Namen gäben. Das aber kam nun nicht mehr in Frage. . . . Dann wandte ich mich spontan an die Mutter und sagte ihr: ‚Du weißt doch schon lange, wie unser Berg einmal heißen wird. Du brauchst es mir doch nur einzugeben, das macht Dir keine Mühe, ich bitte dich darum!' Es dauerte nur ein paar Augenblicke, dann kam mir innerlich das Wort ‚Moriah' in den Sinn. Ich war fast ein wenig erschrocken und befremdet zugleich, denn dieser Name kam mir selten und seltsam vor. Ich konnte mich zunächst keineswegs damit anfreunden. Als ich dann aber weiter daran dachte, daß Moriah eine nicht unwichtige heilsgeschichtliche Stellung haben dürfte - ich dachte an Abraham -, schien einiges für diesen Namen zu sprechen.“

Zwei Tage später, am 23.10. wuchs bei Heinz Dresbach die innere Sicherheit, daß Moriah der Name für den künftigen Priesterberg sein solle. Am Vormittag des 23.10. saß er an seinem Schreibtisch in Metternich. Vor ihm lag eine Zeichnung, die er sich am 20.10.67 bei einem Besuch im Kulturamt Montabaur gemacht hatte. Es waren die Nummern und Grenzen der Parzellen festgehalten, von denen Heinz Dresbach meinte, daß wir sie erwerben sollten. Da kam ihm der kuriose Gedanke, die Quersumme der Nummern zu errechnen, „die diese Parzellen in der offiziellen Ausgabe des Katasteramtes haben“. Die Quersumme war 22. Um ermessen zu können, was dieses Ergebnis für Heinz Dresbach bedeutete, muß man sich erinnern, daß er am 22.04.1958 in einer Weihe im Urheiligtum sich als Werkzeug für einen Neuanfang im Priesterverband zur Verfügung gestellt hatte. Am 22. eines jeden Monates erneuerte er diese Weihe. Die Zahl 22 wurde für ihn zum Symbol des Neuanfangs und gleichsam zur „Telefonnummer für den lieben Gott“. So bestärkte die Zahl 22 der Quersumme Heinz Dresbach in der Überzeugung, daß die Mta uns das „Grundstück zugedacht“ hat, und daß Moriah der Name für das Grundstück sein soll. Er griff nach dem Registerband der Echter-Bibel und erhielt die Auskunft, daß der Moriah-Name in der ganzen Heiligen Schrift „nicht häufiger als ganze zweimal vorkommt. Die erste Stelle ist in Genesis zu finden, und das ausgerechnet in Kapitel 22 Vers 2. Die zweite Stelle findet sich in 1 (richtig: 2)  Chronik 3,1. Der hier gemeinte Text ist aber nur im Zusammenhang mit 2 Chronik 21,1-22,1 (=Hinweis auf Tempelbau) richtig zu verstehen.“ So stieß er gleich dreimal hintereinander auf die Zahl 22. Diese Entdeckung drängte ihn spontan zu einem Gebet in seinem Hausheiligtum. Wie er sie deutete, ist aus seiner Niederschrift an diesem Tag zu ersehen.

„Ich muß bekennen, daß ich durch dieses heutige Erlebnis in meiner Überzeugung bestärkt worden bin, daß die Vorsehung durch unsere Mutter uns diesen ‚unseren' Berg geben will, damit er für unsere ‚Zukunftsvision' und deren Verwirklichung von entscheidender Bedeutung werde. Deshalb hat es wohl einen tiefen Sinn, unseren dortigen Gipfel ‚Berg Moriah' zu nennen. Das ist mein Vorschlag, der mir auf eine Eingebung der Mutter zurückzugehen scheint und keinerlei Willkür von meiner Seite sein erstes Auftauchen verdankt. Aber mit diesen Äußerungen will ich niemanden zu meiner Überzeugung ‚verführen'. Die Geschichte wird zeigen, was daran ist.“

Aus dieser subjektiven Überzeugung von Heinz Dresbach darf gewiß nicht ein allgemeines Prinzip abgeleitet oder eine falsche Zahlenmystik konstruiert werden. Aber lebendiger Vorsehungsglaube ist immer auch individuell und subjektiv. Wenn der Name Moriah sich in der Gemeinschaft durchgesetzt hat, dann gewiß nicht wegen der Begründung mit der Zahl 22, sondern trotz dieser Begründung. Es sei aber nicht geleugnet, daß wir schon etwas aufhorchten, wenn wir auf die Zahl 22 gestoßen wurden. So, als auf Moriah provisorisch das erste Telefon eingerichtet wurde. 22 Masten mußten von Simmern her gesetzt werden. Der letzte Mast beim Heiligtum trug die Nummer 22. Oder als wir im Priesterdekret des zweiten Vatikanischen Konzils im Artikel 22 folgenden Hinweis für die Priester auf den Glaubensweg Abrahams fanden (der schließlich auch nach Moriah führte): „Darum müssen die Führer des Gottesvolkes im Glauben wandern, auf den Spuren des gläubigen Abraham, der im Glauben ‚gehorchte, fortzuziehen an einen Ort, den er als Erbschaft in Besitz nehmen sollte; und er zog fort, ohne zu wissen, wohin er gelangen werde' (Hebr 11,8).“ (Presbyterorum Ordinis)

Es ging den Priestern unserer Gemeinschaft nicht anders als Heinz Dresbach selbst, daß sie sich mit dem Namen zunächst wenig anfreunden konnten. Ich erinnere mich gut, wie er seine Erkenntnis einem Kreis jüngerer Priester mitteilte. Die Reaktion war ablehnend. Einer meinte: „Wenn es schon ein biblischer Name sein soll, dann schlage er den Namen ‚Tabor' vor, weil man von diesem Ort wirklich sagen könne, hier ist gut sein..., und weil die Gründungsurkunde von 1914 das Schönstatt-Kapellchen ein Tabor der Gottesmutter nenne. Damit werde zudem der Genius Loci aufgegriffen, denn die nahe Kreisstadt heiße Montabaur = Berg Tabor.“ Heinz Dresbach hörte sich das an und sagte: „Wenn Du davon überzeugt bist, daß Gott es so will, mußt Du Dich dafür einsetzen. Ich bin überzeugt, der Name für den Ort ist ‚Berg Moriah'.“

Der Moriah-Name begann sich einzubürgern in unserer Gemeinschaft und darüber hinaus und fand immer breitere Zustimmung. Mehr noch: Er wurde uns immer mehr zu einer Verheißung und zu einer Herausforderung. Damals machte die „Gott-ist-tot-Theologie“ von sich reden. Sollte „Moriah“ in einer Zeit, die Gott für tot erklärt, zu einem Ort werden, an dem Gott erfahren wird? Wir lernten, unsere Sendung als Schönstattpriester für unsere Zeit im Licht der Gestalt Abrahams zu verstehen. Abraham folgte dem Ruf Gottes auf einen Glaubensweg, der ihn durch tiefe Dunkelheit und harte Prüfungen führte. Das undurchdringlichste Dunkel war auf dem Berg Moriah, wo Abraham den Sohn der Verheißung Gott zurückgeben sollte. Wer andere im Glauben führen will, wie es ja zur Aufgabe des Priesters gehört, muß sich selbst von Gott im Glauben führen lassen. Abraham wurde zum Freund Gottes und lebte im Bund, den Gott mit ihm schloß. Diese Gottesfreundschaft zu leben und zu lehren, gehört zur Aufgabe des Priesters. Abraham übernahm vor Gott Verantwortung für seine Familie, für die ihm fremden Städte und Völker und für kommende Generationen. Der Priester wird von Gott in die Verantwortung gerufen für das Heil der Menschen in der umfassenden Bedeutung dieses Wortes.

Das Moriahgeheimnis wurde für uns immer mehr auch zu einem Schlüssel zum Verständnis des Glaubensweges unseres Gründers.

Die Biografie von Hermann Gebert
"Heinz Dresbach - Glaubensweg eines Schönstattpriesters"
können Sie auf dieser Homepage über folgenden Link erreichen und herunterladen
:
www.moriah.de/Dresbach

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