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Dienstag 09.08.2022, 10:58 Uhr
(c) 2022 Haus Moriah

Von Vorne anfangen

"Ich bin zwar schon 20 Jahre in Perú, habe aber das Gefühl, noch einmal ganz von vorne anzufangen."
Einzugsgebiet des Amazonas - El Estrecho liegt am Putumayo, einem der großen Nebenflüsse des Amazonas.
Einzugsgebiet des Amazonas - El Estrecho liegt am Putumayo, einem der großen Nebenflüsse des Amazonas.
So schreibt unser Mitbruder Reinhold/Reinaldo Nann in seinem neuesten Rundbrief an seine Freunde in der Heimat. Der Grund dieses Neu-anfangen-müssens: er hat eine neue Pfarrei/Missionsstation in einer völlig ungewohnten Umgebung angetreten: im Amazonasgebiet, d.h. im Urwald.

Anfang April ist er in seiner neuen Gemeinde "San Antonio del Estrecho" angekommen. Zuvor war er einige Wochen in der Bischofsstadt Iquitos, um seine neue Umgebung näher zu erkunden. "Ich bin viel gereist. Von den 17 Pfarreien oder Missionsstationen habe ich zehn besucht, davon waren vier nicht mit einem Priester besetzt. Alle liegen am Fluss: die meisten direkt am Amazonas oder an einem der drei größeren Nebenflüsse."

Seine neue Umgebung beschreibt er folgendermaßen:
Karte von Peru - El Estrecho liegt an der nördlichen Grenze zu Kolumbien; der Putumayo ist Grenzfluss.
Karte von Peru - El Estrecho liegt an der nördlichen Grenze zu Kolumbien; der Putumayo ist Grenzfluss.
"El Estrecho ist eine Klein- und Grenzstadt am Putumayo, der die Grenze zu Kolumbien bildet. Ausser den 5000 Einwohnern in der Stadt (knapp 1000 sind Militär: Marine, Luftwaffe und Heer!) liegen ca 100 Dörfer an diesem Fluss, auf ca. 600 km Länge verstreut, die auch zur Pfarrei gehören. Diese Pfarrei hat seit Jahren keinen Pfarrer und wird von 3 Ordensschwestern betreut, die auch noch ein Internat haben. Dort sind Schüler aus den Dörfern, die dadurch die Möglichkeit haben, eine weiterführende Schule (nach der Grundschule) zu besuchen. In nur fünf Minuten bringt uns ein Fischerboot ans an-dere Ufer und ohne Grenzkontrolle bist Du in Kolumbien, in einem kleinen Fischerdorf. Bis vor kurzem waren dort noch die FARC–Rebellen an der Macht, sie geben in diesen Tagen ihre Waffen ab. El Estrecho ist ca. 300 km nördlich von Iquitos (Luftlinie). Es gibt keine Strasse, mit dem Boot wären es ca. 2 Wochen. Gott sei Dank fliegt die peruanische Luftwaffe täglich ca. 25 Passagiere und eine Menge Waren in weniger als einer Stunde dorthin."

S. Antonio del Estrecho - die Pfarrkirche
S. Antonio del Estrecho - die Pfarrkirche
Man muss innehalten und sich diese Situation vor Augen führen: 100 Dörfer am Fluss auf eine Länge von 600 km, das ist auf den Rhein bezogen die Strecke von Basel bis Duisburg. In seiner letzten E-Mail schrieb er dazu: "Ich werde nach der Karwoche auf einer 22taegigen Pastoralreise innerhalb (!) meiner Pfarrei unterwegs sein, danach fliege ich nach Iquitos und werde einen ausfuehrlichen Rundbrief schreiben." Auf diesen Rundbrief dürfen wir gespannt sein.

Über seine Reisen von Iquitos aus, auf denen ihn ein Priester aus Spanien begleitete, schreibt er:
"Wir haben viel gesehen, mit den anderen Missionaren geredet und von ihnen gelernt. Es gibt ein Netzwerk für Amazonaspastoral, das auch vom Vatikan und den deutschen Hilfswerken unterstützt wird: REPAM. Es hat unter anderem folgende Schwerpunkte: Pastoral an den Grenzen (Migration), Indiopastoral, Menschenrechte, lebenswertes Leben, Bildung. Es gibt in den sechs Ländern, in denen der Amazonas ist, 100 Diözesen oder Vikariate, die am Amazonas gelegen sind. Der Amazo-nas produziert 20% des Sauerstoffs dieser Erde und einen grossen Teil des Süßwassers."

Nicht übergehen dürfen wir, was Padre Reinaldo über die finanzielle Situation schreibt:
"Ein Vikariat kurz vor der Pleite
Die Einnahmen einer Pfarrei hier belaufen sich auf ca. 40E monatlich an Kollekten und etwas weniger an Stipendien (Taufen und Messen). Das Vikariat erhält jährlich ca. 30.000E von Rom (Propaganda Fide, vor allem aus den Missionskollekten). Sein Jahreshaushalt belauft sich auf knapp eine Million Dollar, wovon 2/3 in soziale Projekte gehen, die überwiegend über internationale Hilfswerke finanziert wer-den. Das Problem sind die Personalkosten der ca. 51 Missionare (Priester, Schwestern, Laien) und die Instandhaltungskosten der Häuser, Kirchen sowie einige Verwaltungskosten. Dafür klafft im Haushalt 2017 ein 100.000 US$ – Loch. Ich gehöre zu den wenigen Ausnahmen, die von ihrer Heimatdiözese ein Gehalt bekommen, und damit dem Vikariat keine Kosten verursachen. Ich habe bereits ein Hilfsgesuch an die Erzdiözese Freiburg geschickt, und hoffe auf eine großzügige Unterstützung. Ich werde auch die Hälfte meines Gehalts dem Vikariat geben, ich denke, daß mir die andere Hälfte sowohl für mich selbst als auch für die Pastoralarbeit in der Pfarrei genügt. Diesmal bitte ich um eine großzügige Spende nicht für mich und meine Arbeit, sondern für die restlichen Missionare in diesem Vikariat. Vielleicht gelingt es mit vielen kleinen Hilfen das für uns große Loch zu stopfen. Ihr könnt eure Spende direkt auf mein Konto machen oder für die Spendenquittung an meine Heimatpfarrei in Vogtsburg."
Dennoch schließt er seinen Rundbrief zuversichtlich:
"In allen Schwierigkeiten mache ich immer wieder die Erfahrung: Gott lässt mich nicht im Stich. Diese Erfahrung wünsche ich Euch allen."

Spenden-Konten:
Privat: IBAN: DE53 7509 0300 0007 1054 87 
Pfarrei Vogtsburg: DE16 6806 3479 0024 1093 05 (Spende Reinhold Nann)

Spanischer Artikel auf Wikipedia: El Estrecho 

 

 

 

 

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