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Josef Engling - ein Weizenkorn, das Frucht bringt

Cambrai 4. Oktober 2008

Am 4. Oktober in der Frühe bin ich bei Nacht und Regen losgefahren nach Cambrai. In der Gegend von Aachen wurde es langsam hell. Bei Sonnenschein fuhr ich durch Belgien und erreichte rechtzeitig die Kathedrale in Cambrai gegen 10.30Uhr. In der Sakristei traf ich unseren Mitbruder Michael Hergl, der mich gleich dem Erzbischof vorstellte. Mit etwas Verspätung traf der Bus aus Merville zusammen mit P. Schmiedl ein. Dann feierte Herr Erzbischof Francois Garnier zusammen mit 13 Priestern und einem Diakon ein festliches Pontifikalamt mit den Pilgern.

Die Kathedrale war im Mittelschiff gerade gefüllt. Wir waren wohl 250 Leute; davon waren 85 aus der deutschen Schönstattfamilie angereist. Ein französischer Chor gestaltete den Gottesdienst mit. Zur Eröffnung erinnerte P. Schmiedl an den 90. Todestag von Josef Engling und an den Abschluss des Seligsprechungsprozesses in Trier. In der Predigt griff der Erzbischof das Motto vom Weizenkorn (Jo 12.20-26) auf und legte es auf Josef Engling hin aus, der in seinem Sterben ein fruchtbares Weizenkorn geworden ist, ähnlich wie Franz von Assisi, dessen Gedenktag die Kirche an diesem 4. Oktober feiert, und ähnlich wie Christus selber. Pfarrer Hergl übersetzte die Predigt Satz für Satz.

Nach dem Gottesdienst fuhren wir zusammen mit dem Erzbischof zum großen Soldatenfriedhof. Paul Hannappel erläuterte kundig die Hintergründe. Ich selber sah diese Stelle auch zum ersten Mal und konnte den Namen Josef Engling lesen unter weit über 2500 Namen von Soldaten, deren Namen genannt waren neben noch viel mehr ungenannten Gefallenen, die nicht identifiziert werden konnten und in diesem Massengrab beigesetzt worden sind. Abschließend beteten wir am Grab zusammen mit dem Bischof.

Von dort fuhren wir weiter zum Mittagessen, das im Saal der Pfarrgemeinde von Thun für 150 Gäste bereitet war. Es war ein schönes Miteinander und eine gute Gelegenheit zum Gespräch über viele Gänge hinweg, wie das unsere französischen Freunde gewohnt sind. Nach dem Essen besichtigten viele die Ausstellung, die der Bürgermeister von Escaudoeuvres in der Bibliothek der Gemeinde ermöglicht hatte. Dort waren viele interessante Fotos und auch andere Dinge aus der Zeit und dem Leben Josef Englings zu sehen. Gegen 17 Uhr trafen wir uns dann am Friedhof von Eswars zur Statio und gingen gemeinsam den Todesweg unseres Josef. Dabei beteten wir in Französisch und Deutsch den Rosenkranz. Beim brennenden Feuerbecken sangen wir noch lange Lieder, bis die Sonne unter ging. Dabei übergaben viele ihre "Englingpost" dem Feuer, wie wir es als Jungmänner gern getan hatten. Es berührte mich sehr, als Marienbruder Paul Hannappel das Manuskript seines jüngsten zweibändigen Buches über "Josef Engling als Prototyp Schönstatts" in das brennende Feuer legte.

Ich blieb noch lange im Heiligtum und am Feuer. In mir wurde an diesem Tag viel lebendig, was in unserer Zeit als Jungmänner uns bewegte und für die Gottesmutter und unseren Vater auf den Weg gebracht hat. Später kam dann starker Wind auf, der immer wieder in die Glut des Feuers fuhr und mächtige Funken über das Becken hinaus ins Gelände blies. Es war mir ein Bild für das, was als Wunsch in mir war für mich und unsere ganze Gemeinschaft, dass das Feuer unseres Josef Engling uns neu entfache in der Nachfolge unseres Vaters.

Peter Wolf

 

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