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Haus Moriah Nachrichten Reisebericht Burundi 2018 22

burundi_2018
 
22.

Sonntag, 15.4.2018

Ich nehme um 6.30 Uhr meine zunächst wohl letzte kalte Dusche in Burundi und setze mich dann an den Abschluss meines Reiseberichtes von gestern.

Morgendlicher Friseur
Morgendlicher Friseur
Adelin erscheint schon um 7.00 Uhr, um mir zu sagen, dass er einen Friseur bestellt hat, der uns für den Sonntag schön machen wird. Dieser stellt draußen einen Stuhl auf die Veranda und bittet mich, Platz zu nehmen. Des Französischen ist er wohl nicht mächtig, zumindest antwortet er mir auf meine Instruktionen nicht. Mit Schere, Kamm und Maschine hantiert er ziemlich lange an mir herum. Weil es oft zwickt, habe ich den Eindruck, dass seine Schere nicht sehr scharf ist. Während ich in „Behandlung“ bin, frühstückt Adelin, dann ist Stellungswechsel.

Bei Adelin ist der Schnitt wohl einfacher, denn er hat die typischste afrikanische Friseur, nämlich einfach ganz kurz. Doch auch für diesen Schnitt braucht der Friseur recht lange. Nach allem, was ich im Spiegel sehen kann, hat der Friseur keine schlechte Arbeit geleistet. Weil er mir keine Antwort auf meine Frage gibt, was ich schuldig sei, frage ich Adelin. Dieser sagt, das sei schon in Ordnung. Weil ich damit nicht einverstanden bin, schlägt er mir vor, 5.000 burundische Franc (etwa € 2,-) zu bezahlen und ein Trinkgeld von 1.000 zu geben. Damit ist unser morgendlicher Friseur offenbar recht zufrieden.

Abschiedsbesuch bei Erzbischof Evarista
Abschiedsbesuch bei Erzbischof Evarista
Adelin fährt mit mir um 8.20 Uhr an den Amtssitz des Erzbischofs von Bujumbura. Er hatte in den letzten Tagen darum gebeten, mich nochmals zu sprechen. Als wir um 8.30 Uhr dort ankommen, empfängt Adelin und mich die Sekretärin des Erzbischofs, eine Ordensfrau, und führt mich zum Sprechzimmer, das ich von meinem ersten Besuch her schon kenne. Adelin fährt in der Zwischenzeit zu der Heiligen Messe, die er heute Vormittag zu halten hat.

hp 20180415_Abschiedsbesuch bei Erzbischof Evarista (1).jpg
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Erzbischof Evariste Ngoyagoye erwartet mich schon, heute am Sonntag in weißer Sutane. Er händigt mir die zwei versprochenen Dokumente für unseren Mitbruder Bernard Hakizimana aus und bespricht noch zwei wichtige Themen mit mir. Nach der kurzen Begegnung führt er mich in ein anderes Zimmer, wo Denis mit ihm vor meiner Begegnung gesprochen hatte. Wir machen ein Abschiedsfoto und tauschen guten Wünschen aus.

Mit Denis fahre ich zum Schönstattzentrum Mont Sion.

Schönstattzentrum Mont Sion
Schönstattzentrum Mont Sion

Schönstattzentrum Mont Sion - Jubiläumsbrunnen
Schönstattzentrum Mont Sion - Jubiläumsbrunnen
 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Schönstatt-Patres haben mich an meinem letzten Tag hier in Burundi eingeladen, die Sonntagsmesse mitzufeiern und anschließend zum Mittagessen zu bleiben. In der Sakristei neben der großen Pilgerkirche tummeln sich schon viele Ministranten. Neben dem jungen Schönstattpater, der der Heiligen Messe vorsteht, sind wir noch fünf Konzelebranten am Altar. Ich wechsle einige deutsche Worte mit Pater Otmar, dem ersten Schweizer Schönstattpater hier seit 1974. Bei der Eingangsprozession sehe ich, dass die Kirche inzwischen ganz voll ist. Alle Generationen sind vertreten. Ein schönes, leider ungewohntes Bild für deutsche Sonntags-Gottesdienstbesucher.

Sonntagsmesse am Schönstattzentrum Mont Sion, Altardienst
Sonntagsmesse am Schönstattzentrum Mont Sion, Altardienst

Sonntagsmesse am Schönstattzentrum Mont Sion, alle Generationen strömen zur Messe
Sonntagsmesse am Schönstattzentrum Mont Sion, alle Generationen strömen zur Messe

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich werde am Anfang der Messe begrüßt. Außerdem wird darauf hingewiesen, dass eine Gruppe geistig behinderter Kinder noch erwartet wird, die dann tatsächlich nach und nach in Rollstühlen hereingebracht werden. Die Predigt dauert 45 Minuten! Ich bin froh, dass ich die Lesungstexte am Smartphone auf Deutsch mitlesen kann. Ich rufe mir auch eine Sonntagspredigt auf, denn es ist nicht wenig anstrengend, lange zuzuhören und nichts zu verstehen. Es ist außerdem auch heute wieder recht warm, obwohl die Kirche wie ein Zeltdach auf Stelzen gebaut ist und von daher viel Luft hereinlässt.

Sonntagsmesse am Schönstattzentrum Mont Sion
Sonntagsmesse am Schönstattzentrum Mont Sion
Sonntagsmesse am Schönstattzentrum Mont Sion
Sonntagsmesse am Schönstattzentrum Mont Sion
 

 

 

 

 

 

 

 

 

An die langen Fürbitten mit ausführlichem Fürbittruf fügt der Zelebrant noch eine ganze Seite Fürbitten an, die vor ihm liegen. Mir ist schon aufgefallen, dass auf der linken Seite ein ganzer Sitzblock freigeblieben ist. Jetzt, bei der Gabenbereitung, kommen viele Kinder von der Kinderkirche herein und singen begeistert mit.

Ich werde gebeten, die Heilige Kommunion vorn in der Mitte auszuteilen. Als ich aber zu den Altarstufen hinunterkomme, nimmt mich ein Ordner mit nach hinten, so dass ich im hinteren Teil an viele Gläubige und sehr lange die Heilige Kommunion austeile. Die Sammlung und Andacht in den Gesichtern beeindrucken mich sehr.

Als Kommuniondank werden auch heute drei lange Lieder hintereinander gesungen. Die Intensität nimmt jedes Mal zu, so dass vor allem beim dritten Lied alle Leute mit erhobenen Händen singen, klatschen und tanzen. Mit einiger Wehmut denke ich daran, wie oft ich an dieser Stelle in meiner Pfarrei das Gefühl hatte, mit der Heiligen Messe schnell zu Ende kommen zu sollen, damit sie für das Gefühl der deutschen Gottesdienstteilnehmer nicht zu lange dauert. Hier hat man alle Zeit der Welt und freut sich am intensiven Lob Gottes.

Sonntagsmesse am Schönstattzentrum Mont Sion, Kommuniondank
Sonntagsmesse am Schönstattzentrum Mont Sion, Kommuniondank
 
Sonntagsmesse am Schönstattzentrum Mont Sion, Kommuniondank
Sonntagsmesse am Schönstattzentrum Mont Sion, Kommuniondank

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach dem Schlussgebet wird mir das Mikrophon gereicht. Ich hatte mir eigentlich etwas zurechtgelegt, was ich sagen will, doch werde ich mit den Worten eingeführt, ich solle doch erzählen, welche Erfahrungen ich während der letzten drei Wochen in Burundi gemacht habe. So muss ich improvisieren und erzähle von ihrem schönen Land, das mich etwas an die Schweiz erinnert, an meine Begegnungen mit vielen Menschen, vor allem unseren Schönstatt-Verbands-Mitbrüdern und meiner Hoffnung auf eine gute Entwicklung von Burundi. Ich danke für die herzliche Gastfreundschaft, die ich erleben durfte und den tiefen Glauben der Menschen, auch wenn sie oft arm sind. Ich wünsche mir ein Wiedersehen im nächsten Jahr, wenn ich wieder nach Burundi kommen werde. Diese Sonntagsmesse hat 2,5 Stunden gedauert. Im Anschluss werden noch viele Hände geschüttelt.

Pilgerkirche am Schönstattzentrum Mont Sion
Pilgerkirche am Schönstattzentrum Mont Sion

 
Sonntagsmesse am Schönstattzentrum Mont Sion
Sonntagsmesse am Schönstattzentrum Mont Sion

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach der Heiligen Messe kommt auch Adelin von seiner Messe. Oben, im Haus der Schönstatt-Patres, erwartet uns ein Aperitif. Nach und nach kommen alle Patres, die heute Vormittag an verschiedenen Orten Gottesdienste gefeiert haben. Es sind zwei burundische Patres da, einer der beiden Neupriester aus dem Kongo, der letzten Sonntag geweiht wurde, der Älteste, Pater Otmar aus der Schweiz, der Ökonom Pater Claudio aus Chile und ein weiterer lateinamerikanischer Schönstatt-Pater. Letzterer erzählt mir, dass er regelmäßig im Tanganjika-See zum Schwimmen geht. Nachdem es diesmal mit einem Bad dort für mich nicht geklappt hat, nehmen wir uns das gemeinsam für meinen nächsten Besuch vor.

Begegnung mit den Schönstattpatres in Mont Sion
Begegnung mit den Schönstattpatres in Mont Sion
Wir sprechen über die Anfänge Schönstatts in Burundi, insbesondere die Hilfe, die die Patres dem Schönstatt-Institut Diözesanpriester bei ihrer Entstehung vor 25 Jahren geleistet haben. Dabei denken wir dankbar auch vor allem an alles, was Urs Studer als Pionier der ersten Stunde für unsere Gemeinschaft hier in Burundi getan hat.

Vom Aperitif gehen wir nach drinnen zum Essen. Es gibt eine wunderbar europäische Vorsuppe, einen frischen Salat und sonst burundische Kost. Das Gespräch wechselt zwischen französisch, deutsch und spanisch. Am Ende machen wir ein Erinnerungsfoto.

Denis nimmt Adelin und mich mit seinem Auto mit. Ich habe bei Adelin noch etwas Zeit für eine Mittagspause, meine letzten Sachen einzupacken und noch etwas zu schreiben. Um 17.15 Uhr begleitet mich Adelin zum Flughafen.

Aéroport international de Bujumbura.jpg
Aéroport international de Bujumbura.jpg
Hier verabschiede ich mich zuerst von seinem guten Chauffeur, der mich in diesen Tagen so oft, zuverlässig und gut gefahren hat. Auch Denis ist gekommen. Wir machen ein letztes Foto zusammen mit der Flughafenpolizei. Adelin begleitet mich wieder sehr gut durch die Sicherheitskontrollen bis in die VIP-Lounge. Weil er sich wohl etwas erkältet hat, wartet er nicht bis zu meinem Einsteigen, sondern verabschiedet sich schon früher. Er hat mir noch den wunderbaren burundischen Kaffee und zwei burundische Hemden geschenkt.

 

Um 20.00 Uhr hebt die Maschine der Brussels-Airlines von Bujumbura ab. Wir sind nur wenige Passagiere bis zum Zwischenstopp nach einer Stunde in Entebbe (Uganda). Dann füllt sich das Flugzeug bis auf den letzten Platz. Leider kann ich nur wenig schlafen. 

Fortsetzung

 

Übrigens:
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