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Haus Moriah Nachrichten Bericht 16.01.2020

Moriah - Bellavista
 
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Donnerstag, 16. Januar 2020

Vaterstatue in Bellavista
Vaterstatue in Bellavista
Kurz vor 7.00 Uhr gehe ich ins Bellavista-Heiligtum hinüber, um dort die Laudes zu beten. Ich befürchte, dass dort gerade eine Heilige Messe gefeiert wird und ich nicht hineinkomme. Das ist aber nicht so. Es sind nur Beter da.

 

Am letzten Montag hatte ich mit einigen Frauen von Schönstatt vereinbart, dass ich heute für sie die Morgenmesse in ihrem Haus feiere. Weil ich dort bisher noch nie war, haben wir vereinbart, dass ich um 7.15 Uhr am Heiligtum abgeholt werde. Das klappt auch ganz wunderbar. Maria Soledad holt mich ab. Der Eingang in das Grundstück der Frauen von Schönstatt ist ganz nah, aber sehr unscheinbar. Wir durchqueren einen herrlichen Garten um das Haus herum. Die Frauen von Schönstatt haben hier in den 70er Jahren gebaut. Ein großes Haus, einstöckig, wie alle Häuser hier, bis auf das der Marienschwestern.

 

Die Hauskapelle hat eine interessante Außenarchitektur: es wird mir erklärt, dass es den Finger Gottes darstellt. Im Inneren der Kapelle fallen die vielen Heiligenbilder auf, die rundherum in gleichgroßen schwarzen Rahmen aufgehängt sind. Die Bilder sind Reproduktionen bekannter Bilder und Gemälde von Heiligen. Bei den Frauen von Schönstatt wählt jeder Kurs einen Kursheiligen. Die Bilder dieser Heiligen werden dann hier aufgehängt. Patricia erwartet mich in der Sakristei.

Ich werfe einen letzten Blick ins Messbuch, dann beginnt die Messe. Die Frauen singen sehr schön und reichen mir ein Liederbuch, damit ich mitsingen kann. Schön für mich ist zu sehen, dass die Altersschichtung gut gemischt ist: es gibt ältere und jüngere Frauen von Schönstatt.

In einer kurzen Predigt nehme ich Bezug auf die heutigen Schriftlesungen: das Volk Israel versucht, Gott habhaft zu machen und für ihre Kriege zu instrumentalisieren, indem sie die Lade Gottes ins Lager holen. Doch ein Sieg bleibt ihnen versagt. Auch der Geheilte im Evangelium erfüllt die Wünsche Gottes nicht und erzählt überall, dass Jesus ihn geheilt hat. In Schönstatt haben wir Gott und der Gottesmutter „sanfte Gewalt“ angetan, wie P. Kentenich sagt, indem wir sie gebeten haben, im Heiligtum ihren Gnadenthron aufzuschlagen. Wir können aber Gott nicht zwingen, sondern ihm nur unsere Opfer ins Gnadenkapital geben, damit er sie fruchtbar mache.

Der Altar in der Kirche ist ein sehr großer, massiver Felsblock, der nur an einigen Stellen bearbeitet wurde, z. B., um in der Mitte auf ebener Fläche Schale und Kelch abstellen zu können. Die Frauen erzählen mir nach der Messe, dass dieser Felsblock ursprünglich als Base für das monumentale Kreuz der Einheit draußen geplant war, dann aber nicht dafür verwendet wurde. So haben die Frauen diesen großen Stein als ihren Altar gewählt.

Auch auf dem Weg zum Speiseaal nach der Heiligen Messe sehe ich in den langen Korridoren viele Heiligenbilder. Die Frauen von Schönstatt sind hier ganz von Heiligen umgeben.

Im Speisesaal sind die Damen schon versammelt, die mit mir gerade die Heilige Messe gefeiert haben. Ich darf den Tischsegen spenden und wir beginnen unser gemeinsames Frühstück. Zuerst wird hier Obst gereicht. Ich kann etwas über unsere Gemeinschaft und mich erzählen.

Morgenmesse, Frühstück und Begegenung mit dem Frauen von Schönstatt in ihrem Haus in Bellavista
Morgenmesse, Frühstück und Begegenung mit dem Frauen von Schönstatt in ihrem Haus in Bellavista
Dann stellen sich mir die zehn Frauen vor, die heute da sind. Die jüngeren gehen alle Berufen außerhalb des Hauses nach. Drei von ihnen sind Ärztinnen, darunter Alejandra, die ich von Rom her kenne. Sie kommen aus Chile, Argentinien, Brasilien und Mexiko. Es ist auch eine Deutsche dabei, die zum Kurs von Marga Mieger gehört. Sie verbringt jedes Jahr einige Wochen hier in Chile. In wenigen Tagen erwarten sie den ersten Besuch ihrer neuen Generaloberin Frau Dr. Gertrud Pollak aus Schönstatt.

Als die erste Frau aufsteht, weil sie zum Dienst muss, bitte ich, ob wir noch ein Erinnerungsfoto machen können. Im Garten mit der Hauskapelle als Finger Gottes im Hintergrund machen wir Fotos. Danach verabschiede ich mich mit herzlichem Dank für die interessante und schöne Begegnung.

Grab von Mario Hiriart hinter dem Heiligtum Bellavista
Grab von Mario Hiriart hinter dem Heiligtum Bellavista

 

 

Ich nutze die Gelegenheit, nochmals ins Heiligtum und ans Grab von Mario Hiriart zu gehen und für die Begegnung mit den Frauen von Schönstatt zu danken und für sie zu beten. Den Vormittag verbringe ich dann am Schreibtisch mit schriftlichen Arbeiten.

 

 

 

 

 

Zum Mittagessen bin ich heute bei den alten Schönstattpatres im benachbarten Altenheim Porta Coeli eingeladen. Mein Gastgeber ist Pater Miguel Kast, der hier Hausrektor ist und der Ökonom der Provinz der Patres. Seine Eltern stammen aus Deutschland. Ich hatte mit ihm bisher nur Kontakt per e-Mail im Zusammenhang unseres Heiligtums in Chillan.

Erinnerungsfoto nach dem Mittagessen mit den Schönstattpatres in ihrem Altenheim Porta Coeli
Erinnerungsfoto nach dem Mittagessen mit den Schönstattpatres in ihrem Altenheim Porta Coeli
In diesem Altenheim wohnen derzeit zehn Schönstattpatres. Mit P. Miguel und mir sitzen noch fünf Patres am Tisch. Die anderen können ihre Zimmer nicht mehr verlassen. Wir sprechen über die Gründe der Ausschreitungen in Chile und warum die Situation für die katholische Kirche innerhalb kürzester Zeit völlig verändert ist. Offenbar haben sich in der chilenischen Gesellschaft Wut und Ablehnung so aufgestaut, dass sie sich jetzt vulkanartig entladen.

Die katholische Kirche hat seit den Zeiten Pinochets zu lange mit den Mächtigen des Landes, vor allem rechten Kräften, zusammengearbeitet und das System gestützt. Viele Menschen wurden dabei sozial abgehängt und zu politisch-sozialen Verlierern. Als in den letzten Jahren sexueller und machtmäßiger Missbrauch von Klerikern bis hinauf in höchste Kirchenkreise bekannt wurde, lief das Faß über.

Selbst innerhalb der Patresgemeinschaft gibt es einen Riss zwischen älteren und jüngeren, was die Einschätzung der Verantwortung angeht. Viele der jüngeren Patres, so wird mir erzählt, lehnen ihren Mitbruder Kardinal Errazuriz inzwischen ab, wollen keinen Kontakt mit ihm haben und begrüßen, dass er inzwischen ganz zurückgezogen leben muss, weil er von Übergriffen gewusst hat, sie aber nicht geahndet, sondern, früherer Praxis gemäß, eher vertuscht hat. Vor diesem Hintergrund ist in letzter Zeit auch die Zahl der Patresstudenten eingebrochen. Im letzten Jahr hatten die Patres hier zwar noch sechs Priesterweihen, im Studentat der Patres sind heute aber viel zu wenige Studenten. Die Situation ist auch aus ökonomischer Sicht sehr schwierig, so der Provinzökonom P. Miguel.

Nach dem Mittagessen machen wir Erinnerungsfotos in der Hauskapelle des Hauses Porta Coeli und ich verabschiede mich dankbar.

Am Nachmittag und Abend habe ich wieder Zeit für schriftliche Arbeiten.

Fortsetzung

 
 

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