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Haus Moriah Nachrichten Bericht 17.01.2020

Moriah - Bellavista
 
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Freitag, 17. Januar 2020

Zum Frühstück komme ich mit P. Alejandro Martínez zusammen, dem bisherigen geistlichen Assistenten der Frauen von Schönstatt. Er ist für einen Monat hier bei den Mitbrüdern seiner Gemeinschaft und bereitet sich auf den Beginn seiner neuen Tätigkeit ab Ende Februar in Mexiko vor. Wir kennen uns vor allem aus der gemeinsamen Arbeit im Generalpräsidium und ich freue mich, mich hier mit ihm austauschen zu können. Wir überlegen, ob wir in den nächsten Tagen gemeinsam einen Ausflug in die Stadt unternehmen wollen.

An „meinem“ Schreibtisch kann ich heute weiterarbeiten vor allem an dem mit dem Herderverlag geplanten Buch „Duc in altum“. Ich kann das zweite von zehn Kapiteln heute fertigstellen und meinem Lektor Simon Biallowons zum Gegenlesen nach München schicken.

Die Heilige Messe feiere ich gegen Mittag allein in der Kapelle des Hauses der Schönstattpatres, in dem ich im Moment zu Gast sein darf.

Zum Mittagessen um 13.30 Uhr sind heute die Mitglieder der Povinzleitung der Patres mit ihrem Provinzial P. Fernando Baeza mit am Tisch. Die Patres haben ihre Einsatzorte weit verstreut in Lateinamerika und tauschen sich munter und angeregt über Gott und die Welt, mehr über zweiteres, aus. Wie mir vom Hausrektor gestern mitgeteilt wurde, werde ich nach Tisch von der Provinzleitung ins benachbarte Besprechungszimmer zu einem Austausch gebeten. Kaffee und Kuchen stehen bereit. Nach einer Vorstellung und einleitenden Worten tauschen wir uns intensiv über unsere Erfahrungen aus. Unsere Gemeinschaft der Verbandspriester, genauso wie die Schönstattpatres, müssen hier eine Berufungskrise erfahren. Die Herausforderungen, denen wir uns gegenübersehen, sind für unsere Gemeinschaften ähnlich.

Wir sprechen über die Aufgaben der chilenischen Verbandspriester, vor allem ihr Schönstattapostolat. Dabei wird deutlich, wie wichtig ein regelmäßiger Austausch zwischen den Schönstattpatres und unseren Mitbrüdern in Chile wäre, um koordinierter Schönstattarbeit zu leisten. Ich berichte, dass unsere Generalleitung seit der Amtsübernahme vor drei Jahren sich jedes Jahr einmal, anlässlich einer der beiden Klausurtagungen auf Moriah, mit der Leitung der Schönstattpatres zum Austausch trifft.

Wir verabreden, dass ich der Regioleitung den Vorschlag unterbreite, dass auch hier einmal im Jahr ein Treffen zwischen unserer Regioleitung und der Provinzleitung der Patres stattfindet, um gemeinsame Initiativen abzusprechen und abzustimmen. Wir sind ja keine Konkurrenten, sondern unterstützen uns im gemeinsamen Schönstattapostolat. So könnten uns die Schönstattpatres auf Studenten aufmerksam machen, die sich für die Patresgemeinschaft interessieren, dann aber doch einen Weg als Diözesanpriester einschlagen. Wenn wir mehr voneinander wissen, können wir uns mehr gegenseitig helfen und unterstützen.

Am Ende dieses Gespräches kann ich auch meine beiden konkreten Anliegen P. Provinzial Fernando vortragen: Unsere Gemeinschaft würde gern auch die spanische Version des Kentenich-Readers auf unsere Homepage stellen für Formationszwecke. Die chilenischen Patres sind dafür aber die Rechteinhaber. P. Fernando sagt mir zu, dass wir den spanischen Kentenich-Reader frei verwenden und auf unsere Homepage stellen können.

Als zweites Anliegen spreche ich mit ihm über einen Brief von Oskar Bühler, den er ihm vor einem Jahr geschickt hatte, offenbar aber an eine alte Mailadresse. Wir wissen aus dem Konzils-Tagebuch von Weihbischof Tenhumberg, dass am 26.10.1965, beim ersten Besuch von Pater Kentenich auf dem Grundstück Belmonte, der chilenische Pater Umberto Anwandter mit dem Bus aus der Stadt Rom nachgefahren kam. Die Frage von Oskar Bühler war, ob sich im Nachlass von P. Umberto Aufzeichnungen zu diesem Termin finden lassen, in dem er vom ersten Besuch P. Kentenichs auf Belmonte erzählt. P. Fernando gibt mir seine aktuelle Mailadresse und verspricht mir, gern in dieser Sache nachzufragen.

Heute steigen die Temperaturen weit über 30 Grad. Ich freue mich, dass ich am Nachmittag meine Arbeit am Schreibtisch unterbrechen und in den kühlen Pool im Garten steigen kann. Bisher habe ich hier noch nie einen der Patres gesehen. So habe ich den Pool und eine angenehme Hängeschaukel zu meiner freien Verfügung. In meinem Buch von Elie Wiesel „Von Gott gepackt. Prophetische Gestalten“ lese ich das Kapitel über König Saul. Es beschreibt und kommentiert genau das, was wir im Moment in den Lesungen der Tagesliturgie im Buch Samuel lesen.

Als ich mir im Speisesaal einen Tee mache, kommt einer der im letzten Jahr geweihten jungen Patres und setzt sich zu mir. Ich habe noch einige Kekse von meiner Begegnung am Dienstag mit den Damen des Mütterbundes und freue mich, ihm etwas anbieten zu können. Es entspinnt sich ein für mich besonders interessantes Gespräch über den Vertrauenverlust der chilenischen Kirche nach den in den letzten Jahren bekanntgewordenen Missbräuchsfällen.

Der junge Pater erklärt mir, warum sich die jüngeren Patres mit ihrem Mitbruder, Kardinal Errazuriz, schwer tun. Nachdem Vorwürfe gegen ihn in der Öffentlichkeit erhoben wurden, er habe um Missbrauchsfälle gewusst, die Täter aber gedeckt und den Opfern keinen Glauben geschenkt, habe er sich nur verteidigt, aber nie sein Bedauern für seine falschen Entscheidungen oder für die Opfer ausgedrückt. Gerade darauf haben die Leute aber gewartet. Er ist in der chilenischen Öffentlichkeit nun eine Projektionsfläche für eine harte Kirche, die keine Fehler eingesteht und mehr den Schutz der Täter als der Opfer im Blick hat. Kardinal Errazuriz kann deshalb in der Öffentlichkeit nicht mehr auftreten und keine liturgischen Funktionen übernehmen.

Wir sprechen auch über den Priester Karadima, der äußerst einflussreich war, seinen spirituellen Einfluss aber missbraucht und sich an mehreren Personen vergangen hat. Er wurde aus dem Klerikerstand entlassen.

Begegnung mit Johannes Korn
Begegnung mit Johannes Korn
Als ich von diesem interessanten Austausch in mein Zimmer zurückkomme, wird mir Johannes Korn, ein junger deutscher Patresstudent aus dem Bistum Mainz vorgestellt, der seit drei Jahren im Studentat der Schönstattpatres wohnt und hier studiert. Er kennt meinen Kursbruder Frank Blumers gut, dem wir gleich eine Sprachnachricht und ein Foto per WhatsApp schicken. Ich freue mich über diese unerwartete Begegnung mit einem hoffnungsvollen künftigen Mitbruder bei den Patres.

Am Abend unternehme ich wieder einen Rosenkranz-Spaziergang und beschließe den Tag im Heiligtum.

Fortsetzung 

 

 
 

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