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Haus Moriah Nachrichten Reisetagebuch Peru 2017 15

Tagebuch
Reise nach Peru und Dominikanische Republik
8.-27.8.2017 - Dr. Christian Löhr
15. Folge


 

 

Dienstag, 22. August 2017

Heute ist der erste Jahrestag der Krönung unserer MTA zur Königin von Belmonte. Dieses Anliegen begleitet mich heute. Reinhold Nann hat den Tag seiner Amtseinführung in seiner neuen Prälatur Caravelí bewusst auf den Gedenktag „Maria Königin“ gelegt.

Im Pfarrzentrum von Atico war die Nacht nicht ganz einfach: Neben einem kleinen Sportplatz befindet sich eine große Baracke mit mehreren Zimmern. Eines von ihnen, ohne Waschbecken und WC, bekomme ich für die Nacht angewiesen. Es ist sehr freundlich von der Pfarrei, uns alle unterzubringen. Man hat aber nicht an Handtücher gedacht, so dass ich mich in dem WC neben dem Pfarrsaal nicht einmal waschen kann. Atico liegt am Meer. Hier ist es in den Wintermonaten feucht-kalt, so dass mir die eine, dünne Decke auf der einfachen Pritsche zu wenig ist.

22.8.2017 Frühstück im Pfarrzentrum Atico
22.8.2017 Frühstück im Pfarrzentrum Atico
Um 7.00 Uhr nehmen wir ein einfaches, schnelles Frühstück, um danach Richtung Caravelí aufzubrechen. Wir sind alle sehr gespannt auf den neuen Bischofssitz von Reinhold Nann. Erst vor zwei Jahren wurde die Straße von Atico nach Caravelí asphaltiert. Deshalb wird an einer Schranke kurz hinter Atico eine Straßenbenutzungsgebühr erhoben. Pfarrer Francisco von Atico, der mit unserem Kleinbus mitfährt, erklärt, dass mit uns der neue Bischofs-Prälat von Caravelí fährt. Auch übergeben wir ein Bischofsbildchen von ihm. So können wir kostenfrei passieren. Wir fahren in ein Tal hinein, immer bergauf. Nach einigen Kilometern lichtet sich der Nebel und herrlichster Sonnenschein bescheint die kahle Bergregion. Hier gibt es einige Minen, wo vor allem nach Gold geschürft wird. Entsprechend aufgewühlt sieht die Erde hier aus.

22.8.2017 Reinhold zieht das erste Mal seinen Bischofstalar an
22.8.2017 Reinhold zieht das erste Mal seinen Bischofstalar an
Oben am Pass auf etwa 1.700 Meter wartet eine Abordnung von Caravelí mit geistlichen und weltlichen Repräsentanten. Reinhold zieht sich nun das erste Mal seinen filettierten Bischofstalar an, den er von seinem Vorgänger und jetzigem Militärbischof geerbt hat. Dieser ist recht in die Breite gegangen, so dass ihm sein Talar nicht mehr passt. Reinhold sieht gut darin aus.

 

 

 

 

22.8.2017 Begrüßung auf der Passhöhe
22.8.2017 Begrüßung auf der Passhöhe
 

 

Er und unsere Gruppe werden offiziell begrüßt. Erste Ansprachen folgen.

 

 

 

 

 

22.8.2017 Einweihung des neuen Monumente
22.8.2017 Einweihung des neuen Monumente
Reinhold wird gebeten, ein neues Monument zu segnen, das die höchsten Vulkangipfel, die man von hier aus in der Ferne sehen kann, namentlich und mit Höhenangabe benennt. Das Weihwasser ergießt sich nicht nur über dieses neue Denkmal, sondern auch über unsere Köpfe. Für Peruaner ist es ganz wichtig, dass jeder vom Weihwasser etwas abbekommt.

 

 

 

22.8.2017 Begrüßung am Stadtrand
22.8.2017 Begrüßung am Stadtrand
Dann fahren wir in Kolonne nach unten ins Tal nach Caravelí. Vor uns fährt der Pickup, auf dem zwei Frauen das Plakat „Benvenido, Mons. Reinaldo Nann“ festhalten. Unten am Eingang der Stadt stehen weitere Repräsentanten und die Schwestern, die hier vom dritten Vorgänger von Reinhold, dem deutschen Herz-Jesu-Missionar Bischof Friedrich Kaiser gegründet wurden. Mehrere Bischöfe im filettierten Talar warten hier. Uns wird bewusst, dass Reinhold noch nicht seine violette Schärpe und den Pileolus trägt. Beides wird im Gepäck gesucht und so ist der neue Prälat bereit, sich in die Stadt führen zu lassen.

 

Eine Banda macht Musik. Auf dem etwa einen Kilometer langen Weg bis zur Kathedrale stehen rechts und links Schulkinder in ihren Schuluniformen und schwenken peruanische, deutsche und vatikanische Fähnchen. Es sind sehr viele Kinder und ich erfahre, dass sie alle nach Caravelí gehören. Glücklich eine Stadt, die so viele Kinder hat!

An der Kathedrale wird Reinhold vom Dompfarrer ein Kreuz zum Kuss gereicht. Dann treten wir ein und nehmen uns einen Moment Zeit für eine Adoratio vor dem Tabernakel. Danach ziehen sich die Bischöfe in der Sakristei um, die Priester im benachbarten Pfarrsaal. Die Kathedrale ist sehr gut gefüllt. Für die sieben Bischöfe stehen Stühle wieder vor dem Altar; wir Priester nehmen in den ersten beiden Kirchenbänken rechts und links Platz.

Die Musik ist wieder, wie bei den anderen großen Gottesdiensten, die wir mitgefeiert haben, von einer guten, aber wie immer sehr lauten Band und Vorsängern begleitet. Die Lieder sind sehr eingängig und können von den meisten Leuten auswendig mitgesungen werden. Viele der Lieder haben wir schon gehört. Offensichtlich gibt es eine eher kleine Auswahl an geistlichen Liedern für solche Anlässe. Es liegt ein schön gedrucktes Liedheft vor, in dem vorn die Vita von Reinhold widergegeben wird, hinten eine Erklärung seines Bischofswappens.

Zu Beginn der Liturgie steht noch der jetzt abtretende Bischof Juan Carlos Vera Plasencia MSC vor. Der erste Nuntiatursekretär, ein polnischer Monsignore, zeigt die Ernennungsurkunde von Papst Franziskus für Bischof Reinhold Nann und liest sie ein einer spanischen Übersetzung vor. Dann wird der Amtswechsel vollzogen, indem der Vorgänger seinem Nachfolger den Bischofsstab weiterreicht und Reinhold auf der Kathedra Platz nimmt.

 

22.8.2017 Kathedrale Caravelí
22.8.2017 Kathedrale Caravelí

 

In der Predigt macht sich Reinhold die stille Frage der Menschen von Caravelí zu eigen: Wie wird wohl unser neuer Bischof sein? Er erzählt aus seinem Leben. Als er davon spricht, dass er aus dem Weinbauort Achkarren am Kaiserstuhl stammt und sich deshalb wohl auch im Weindorf Caravelí wohlfühlen wird, brandet Applaus auf. Bei der Gabenbereitung werden auch Gaben und Geschenke von Caravelí nach vorn gebracht, darunter Früchte und Wein.

Der Vorsitzende der peruanischen Bischofskonferenz, Msgr. Pineiro, Metropolit dieser Kirchenprovinz, der auch heute unter uns ist, hält nach der Kommunion eine liebenswürdige Ansprache, in der er zuerst den beiden deutschen Vorgängerbischöfen Kaiser und Kühnel, dann auch Bischof Juan Carlos dankt. Das feierliche Pontifikalamt endet mit dem „obligatorischen“ Fototermin aller Geistlichen vor dem Altar. Man beglückwünscht sich durch herzliche Umarmung.

22.8.2017 Begrüßungsfest vor der Kathedrale
22.8.2017 Begrüßungsfest vor der Kathedrale
Vor der Kathedrale sind dann mit schönem Stoff überzogene Stühle in mehreren Reihen aufgestellt. Viele Menschen aus der Prälatur haben sich unten an der Plaza vor der Kathedrale unter Zelten versammelt. Einige können sitzen, die meisten müssen stehen. Es folgen mehrere Ansprachen, Geschenkübergaben und Tanzeinlagen. Dabei werden Getränke und kleine Snacks gereicht. Es ist recht heiß; ich schätze, etwa 35 Grad. Die Sonne brennt hier in diesem schönen, fruchtbaren Gebirgstal unerbittlich, so dass alle schattige Plätze suchen.

 

22.8.2017 festliches Mittagessen im Innenhof der Schule
22.8.2017 festliches Mittagessen im Innenhof der Schule
Nach etwa 90 Minuten und abschließenden Fotos mit vielen Gruppen denke ich, dass das Begrüßungsfest damit zu Ende sei. Bischof Reinhold begleitet uns zu Fuß und ich bin sehr überrascht, als wir in den wie für eine Hochzeit festlich gedeckten Innenhof der von den Schwestern geführten Schule kommen. Hier gibt es wieder ein Präsidium, an dem Reinhold, seine Familie, die Bischöfe und Priester Platz nehmen. Um eine freie Fläche in der Mitte des Innenhofes herum sind viele Tische gruppiert. Es wird ein leckeres Essen serviert, dazu Wein aus Caravelí und andere Getränke. Parallel zum Essen laufen weiter Vorführungen und Ansprachen. Unsere kleine deutsche Delegation singt am Ende des festlichen Essens den Kanon „Lobet und preiset ihr Völker den Herrn“ dreistimmig und erntet dafür viel Beifall.

22.8.2017 Grablege für Bischof Kaiser und Mutter Wilibrorda
22.8.2017 Grablege für Bischof Kaiser und Mutter Wilibrorda
Auf der anderen Seite der Straße betrete ich noch kurz den Klostergarten der Schwestern, um in der Kapelle mit den Gräbern von Bischof Kaiser und der deutschen Gründerin zu beten. Für beide läuft ein Seligsprechungsprozess. Einige Schwestern, die gerade da sind, freuen sich über meinen Besuch und erklären mir ihr Apostolatsfeld: sie gehen in die Pfarreien, die keinen eigenen Priester haben und versuchen eine Situation vorzubereiten, dass ein Priester kommen kann oder geistliche Berufungen in der Bevölkerung wachsen.

 

 

22.8.2017 Weingarten in Caravelí
22.8.2017 Weingarten in Caravelí
Eine junge Lehrerin aus Lima, die hierher geheiratet hat, möchte uns unbedingt einen Weingarten zeigen. Wir fahren mit unserem Kleinbus über Stock und Stein und kommen in den schmalen, grünen, fruchtbaren Streifen, der das Tal hier durchzieht. Die Weinbaukultur ist eine völlig andere als bei uns. Wir sehen alte Weinstöcke. Weinlese ist hier im April. Jetzt ist es ganz trocken und man sieht nicht viel Grünes an den Weinstöcken. Man schenkt mir eine Orange, die köstlich schmeckt.

 

22.8.2017 Hauskapelle im Bischofshaus
22.8.2017 Hauskapelle im Bischofshaus
Abschließend besuchen wir noch das Bischofshaus von Reinhold, neben der Wallfahrtskirche, recht groß, von vier Straßenzügen umgeben. Reinhold hat hier viele Gästezimmer, um bei Zusammenkünften seine Priester (derzeit 17 für die ganze Prälatur) unterbringen zu können. Das letzte Erdbeben hat Schäden hinterlassen, die derzeit behoben werden. Das Haus, in dem Reinhold wohnt, ist für peruanische Verhältnisse recht schön, wenn auch nicht luxuriös. Er hat eine schöne kleine Hauskapelle mit MTA-Bild, wo ich noch für seinen bischöflichen Dienst und um eine gute Rückfahrt für uns nach Arequipa beten kann.

22.8.2017 Caravelí im Abendlicht
22.8.2017 Caravelí im Abendlicht
Weil eine Familie mit ihrem größeren Auto auch nach Arequipa zurückfahren muss, nehmen wir für den Rückweg nicht mehr den Kleinbus des Priesterseminars, sondern teilen uns auf das Auto der Familie und das Auto von Reinhold auf. Mit uns fahren wieder der Pfarrer von Atico und ein weiterer Herr, der das Auto von Reinhold dann nachts nach unserer Ankunft in Arequipa sofort nach Caravelí zurückfahren wird. Wir fahren um 17.00 Uhr im schönsten Abendlicht ab und kommen nach langer, beschwerlicher Fahrt auf der Transamericana (kurz vor Arequipa müssen wir noch einen Reifen wechseln, weil sich ein Nagel hineingebohrt hat) um 2.00 Uhr in der Nacht im Hotel an. Wir sind froh, noch einige Stunden schlafen zu können.

Vgl. als Ergänzung dazu den Bericht von Bischof Reinhold/Reinaldo Nann über seine Bischofsweihe in Trujillo und seine Amtseinführung in Caravelí. 

Fortsetzung 

 
 

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